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Das nördliche Monferrato

Von Montiglio fahren wir nach Piovà Massaia und dann in Richtung Castelnuovo Don Bosco.Empfehlenswert ist ein Abstecher nach Passerano Marmorito, um - wenigstens von außen – das wunderschöne dortige Schloss zu sehen. Die mächtige Ritterburg, eine Gruppe von mehreren Bauten aus dem 12. und 17. Jahrhundert, gehört noch heute der Familie der Conti Radicati, die es im 14. Jahrhundert errichteten; es ist eines der repräsentativsten Schlösser der Provinz Asti (Besichtigung leider nicht möglich). Hier übernachtete auch der Musiker Schumann. Der Schlossgarten, der als einer der historischen Gärten des Monferrato verzeichnet ist, weist eine reiche Vegetation auf, darunter die monumentale Libanonzeder und eine große Sequoie. Neben dem Eingangstor befindet sich das Gebäude der Münzprägestelle, Sitz der Gemeindebibliothek, sowie eine Kapelle.
Von Castelnuovo steigen wir in Richtung Moncucco Torinese auf. Das Schloss dominiert mit seiner mächtigen Gestalt das Dorf, der Blick reicht von den Hügeln des Monferrato zu denjenigen von Turin, von Superga bis zum Alpenbogen. Die Burg wird erstmals in einem Kaisersdiplom aus dem Jahr 1154 erwähnt, aber das heutige Gebäude geht auf das 14.-15.
Jahrhundert zurück, mit nachfolgenden Umbildungen und Erweiterungen. Hier kommt im 13. Jahrhundert Jacopo da Moncucco zur Welt, der letzte große Lehrmeister des Templerordens in Italien vor seiner Abschaffung. Es war im Besitz von verschiedenen Adelsfamilien, wurde 1855 von der Gemeindeverwaltung erworben und beherbergt heute das „Museo del Gesso“, in dem die Bearbeitung und die Verwendung des Gipses in der ländlichen Architektur des Nördlichen Monferrato zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert gezeigt wird.
Zurück auf der Straße 458 in Richtung Asti erreichen wir nach wenigen Kilometern die kleine Gemeinde Piea, beherrscht vom Schloss der Grafen Roero, die es zu Beginn des 18. Jahrhunderts in einen prunkvollen Wohnsitz verwandelten, indem sie durch Entfernen der Bollwerke ein Hauptgeschoss schafften und einen schönen italienischen Garten anlegten. Im Innern ist der Ballsaal mit den Fresken der Gebrüder Galliari (1762) besonders interessant. Wenige Kilometer weiter in Richtung von Asti sehen wir den schönen zinnengekrönten Turm des Schlosses der Roero di Cortanze der uns an die Märchen mit gefangenen Prinzessinnen erinnert. In der Tat erzählt eine Legende, im Schloss lebe der Geist einer jungen Frau, Viola Maria Galante, der Tochter des Markgrafen Ercole Roero, die nach einer traurigen Geschichte um Liebe und Tod früh verstarb. Viola hatte sich unsterblich in den jungen Dorfpfarrer verliebt (der Kirchturm liegt genau gegenüber dem Schlossturm); nach dessen Tod (durch Hand der zurückgewiesenen jungen Frau selbst oder des erzürnten Vaters, je nach Version) findet die in den Turm eingeschlossene Viola auch nach ihrem Tod keinen Frieden. Ihr Zimmer ist heute die Suite des Hotels geworden, das sich im Schloss befindet.
Herrlich der Saal mit Kreuzgewölbe im Erdgeschoss. Der gesamte Palast ist von einem schönen Park umgeben, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts angelegt wurde. Durch diesen Park gelangt man auf die Bollwerke, die sich gegen die Hügel des Monferrato hin öffnen, mit Aussicht auf bezaubernde, noch unverdorbene Landschaften.
Zurück auf der Hauptstraße kommen wir rechts zur Abzweigung zur kleinen Gemeinde Soglio. Auf dem Platz vor der Dorfkirche angekommen sehen wir vor uns die mittelalterliche Fassade des Schlosses, der einzige Teil des Gebäudes aus dem 14. Jahrhundert, das der Familie Pelletta gehörte. Im 18. Jahrhundert wandelten die neuen Eigentümer das Innere und die Südfassade in einen Landsitz um, und schufen auch einen kleinen, aber interessanten italienischen Garten, der zu den historischen Gärten des Piemonts gehört. Wir fahren jetzt in Richtung Monale weiter (zwischen Soglio und Monale befinden sich auf wenigen Kilometern die Schlösser von Cortazzone, Casasco, Cossombrato und Settime). Die Burg Scarampi, in einem Dokument des 12. Jahrhunderts erwähnt, wurde während der Kriege zwischen Guelfen und Ghibellinen zerstört, und danach im 14. Jahrhundert von der Familie Asinari neu aufgebaut. Das Lehen ging dann an die Adelsfamilie Scarampi über, reiche Bankiers aus Asti. Die letzten Repräsentanten der Familie Scarampi aus Monale waren zwei Schwestern, Paola und Adele. Adele, eine Frau von außergewöhnlicher Schönheit, heiratete den Conte Carlo Gani, Diplomat, Philanthrop und spanischer Konsul in Turin. Seither gehört die Burg der Familie Gani, die es renoviert hat.
Auf der Straße in Richtung Turin erscheint nach Villanova d’Asti, und nachdem wir nach Poirino abgebogen sind, rechts der Gebäudekomplex von Borgo Corveglia: das Schloss wurde im 15. Jahrhundert auf den Fundamenten des von den Augustinern erbaute und im 12. Jahrhundert gegründeten Hospital von San Giacomo erstellt. Nachdem die Mönche verjagt wurden verwahrlosten das Schloss und die religiösen und landwirtschaftlichen Gebäude des Klosters. Spektakulär ist der Gewölbesaal mit den wunderschönen Pfeilern aus Back- und Sandstein mit gemeißelten Kapitellen. Von Villanova fahren wir über Ferrere nach Cisterna d'Asti. In Ferrere standen früher zwei Schlösser, die beide auf die Familie Garretti zurückzuführen sind, welche die exklusiven Investiturrechte dafür innehatte. Heute sind beide erhalten, aber vom sogenannten Castelvecchio besteht nur noch ein Flügel und ein mittelalterlicher Turm (in dem sich heute die Bottega del Vino befindet), während auf der Westseite des Castelrosso, das Ende des 18. Jahrhunderts zu einem eleganten Adelswohnsitz umgewandelt wurde, noch einige Spuren des Mittelalters zu entdeckten sind. Faszinierend ist auch der Naturpfad, der das Castelrosso umgibt.
In Cisterna d’Asti erhebt sich die Burg mit ihrem Turm aus dem 14. Jahrhundert hoch über dem Dorfkern. Die ältesten Teile gehen auf das 12. Jahrhundert zurück und umfassten auch die große Wasserzisterne, die dem Dorf seinen Namen gab und die heute im Hauptsalon sichtbar ist. Das Schloss, dessen Zugang durch das Turmtor aus dem 15. Jahrhundert erfolgt, erscheint heute, nach der von der Familie Dal Pozzo gewollten Umwandlung, in Gewand des 17. Jahrhunderts; es beherbergt seit 1980 das Museo Arti e Mestieri di un Tempo (Museum für Kunst und Handwerk der Vergangenheit), das entstand, um Gegenstände und Traditionen des bäuerlichen Lebens zu erhalten und zu einem der bedeutendsten Ethnographischen Museen im Piemont geworden ist. An den Seiten des zentralen Zisternensaales öffnen sich originalgetreue Werkstätten und Geschäfte, im oberen Geschoss werden Berufe und Tätigkeiten gezeigt, in den Kellern befindet sich der Teil, der sich der Önologie, der Münzprägestelle und dem Eiskeller des Schlosses widmet. Der Besuch dieses Ortes ist wirklich faszinierend und zieht jährlich Tausende von Touristen und Schüler an, die neugierig sind auf den Reichtum und der Vielfalt der darin enthaltenen Gegenstande sowie auf die Schönheit des Ortes (vom Schloss oben ist die Aussicht im wahrsten Sinne des Wortes unbezahlbar).
Letzter Halt San Martino Alfieri. Der Name der Familie Alfieri, der Herren von San Martino, ist fest mit der Geschichte des Piemonts verbunden. Unter den illustren Persönlichkeiten, die im Schloss weilten, erinnern wir an den Dichter Vittorio Alfieri und seinen Cousin, den Architekten Benedetto Alfieri. Der Marchese Carlo Alfieri heiratete Giuseppina Cavour, die Nichte des großen italienischen Staatsmanns. Sie hatten zwei Töchter, Luisa und Adele. Nach dem Tod von Adele im Jahr 1937 ging der Besitz zuerst an den Enkel Visconti Venosta und dann, 1982, an die Familie San Martino di San Germano über, die das Schloss und das große Weinbauunternehmen noch heute besitzt. Neben der Architektur des vom Ingenieur Antonio Bertola zwischen 1696 und 1721 auf dem höchsten Punkt des Dorfes projektierten Schlosses ist auch der historische Garten von großem Interesse. 1815 beauftragte der Marchese Carlo Emanuele Alfieri di Sostegno Xavier Kurten, den deutschen Landschaftsarchitekten mit der Umwandlung des formellen Gartens in einen Park nach dem neuen romantischen Geschmack der Engländer.