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Nach dem Monferrato

Von Roccaverano sind vor der Fortsetzung des Rundgangs drei “obligatorische Umwege” möglich, alle drei von sehr unterschiedlicher Art: der erste (der auch zu Fuß machbar ist) führt zum nahen Dorf Olmo Gentile, der kleinsten Gemeinde der Provinz mit weniger als 100 Einwohnern; der Name des Dorfes soll von der mittelalterlichen Tradition herstammen, in der Nähe von Schlössern und Kirchen eine Ulme (italienisch Olmo; Symbol für Unterstützung und Schutz) zu pflanzen. Die kleine Ortschaft liegt auf wenigen Metern Straße: die Pfarrkirche und die Kirche der Disciplinati, das Gemeindehaus, das Schloss und die Trattoria. Der hohe Turm ist demjenigen von Vengore sehr ähnlich und geht auf das 12. Jahrhundert zurück, während sich das Schloss im Stil des 17. Jahrhunderts präsentiert und der Sommerwohnsitz der Bischöfe von Acqui war. Olmo verbirgt jedoch weitere Überraschungen: eines der schönsten Panoramen der Langa Astigiana, kurz vor der Ortsmitte, zu Beginn des Abstiegs in der Nähe der Kirche der Addolorata, oder, auf dem kurvenreichen Weg hinunter nach Lavagnini, große alte Bauernhöfe mit dunklen Steindächern, die auf den Türlaibungen die Daten des 15. Und 16. Jahrhunderts eingeritzt haben.
Eine weitere Möglichkeit führt nach Serole, dem südlichsten Punkt der Provinz Asti, wo vier Provinzen (Asti, Cuneo, Alessandria und Savona) zusammentreffen und das Piemont an die Region Ligurien grenzt. Entlang der Straße rechts kann man an einer Abzweigung parkieren und nach 1 km auf einem bequemen Weg durch den Wald zwischen Kiefern den Bric Puschera erreichen, mit seinen 851 Metern der höchste Punkt der Provinz Asti, der über einen Rastplatz verfügt.
Die kleine Ortschaft ist ganz um die Piazza konzentriert, mit der Pfarrkirche von San Lorenzo und der ehemaligen Chiesa della Confraternita (heute für kulturelle Zwecke restauriert) aus Stein mit einem Fresko aus dem 16. Jahrhundert in ihrem Innern. Interessant in einem so isolierten Ort ist der in holprigem Italienisch geschriebene Gedenkstein auf einem Haus am Platz, der an die Schlacht von Lepanto von 1571 erinnert, bei der das christliche Heer endgültig die türkische Gefahr besiegte, vielleicht eine unbewusste Vergeltung für die Zerstörung der Langa durch die Streifzüge der Sarazenen viele Jahrhunderte früher.
Der dritte Weg führt uns durch eindrucksvolle Sandbuchten, in denen die einzige Vegetation aus Erikasträuchern, Thymian und Ginster besteht, nach Mombaldone, einem der schönsten Orte Italiens, ein intaktes kleines Schmuckstück aus dem Mittelalter, noch heute von den Mauern des ursprünglichen Verteidigungssystems umgeben, von dem auch das Zugangstor erhalten geblieben ist: durch sie hindurch gelangt man auf die einzige Straße mit schönen Steinhäusern, Familienwappen, Blicke in Höfe, und auf den Platz mit der Pfarrkirche San Nicolao und dem Oratorium dei Santi Fabiano e Sebastiano daneben. Weiter vorn sehen wir die Reste des Schlossturms, deren Steine Ende des 19. Jahrhunderts vom Grafen del Carretto für den Bau der Eisenbahn verschenkt wurden (Mombaldone ist das einzige Dorf in der Langa, das einen Bahnhof hat, um den sich der neuere Teil der Siedlung entwickelt). Eine Besonderheit des Dorfes besteht in den Tunnels, Räumen und versteckten Durchgängen, deren Verläufe sich in Legenden verlieren.
Wir führen unseren Rundgang in Richtung des grünen Tals Valle del Rio Tatorba fort, und erreichen Monastero Bormida gegenüber der wunderschönen romanischen Brücke über den Fluss. Wir empfehlen, den Wagen auf dem Parkplatz am Ufer des Bormida zu lassen und zu Fuß die Brücke zu überqueren, mit dem massiven Schloss vor uns. Monastero wurde um 1050 von den Benediktinermönchen der Abtei von Fruttuaria gegründet. Das Schloss ist das Resultat von Umbauten der Mönchsanlagen, von denen der schöne romanische Kirchturm bestehen bleibt, der über einen gewagten Arkadenbogen mit dem Schloss verbunden ist, sowie die genannte Brücke in Eselsrücken-Form, die auch den letzten zerstörerischen Überschwemmungen von 1994 widerstanden hat – sie wurde nur etwas beschädigt. Die Legende erzählt, dass die Mönche Eiweiß verwendeten, um Back- und andere Steine festzuhalten, und “aus dem Eigelb machten sie Zabaione”, wie Augusto Monti, der Schriftsteller und Pädagoge in seinem Roman “I Sanssôssi” schreibt , der 1881 nur wenige Schritte vom Schloss entfernt zur Welt kam. Wir gehen in Richtung Sessame weiter (der Name erinnert an die sechs römischen Meilen, die den Ort von Acqui Terme trennen, oder vielleicht auch die sechzig von Turin) dem Fluss Bormida entlang: hier ist die Garzaia della Valle Bormida markiert, eine kleine Oase des WWF, die eine große Kolonie von Graureihern beherbergt, die nur aus der Entfernung zu beobachten sind. Wir steigen ins Dorf hinauf, einem Produktionszentrum des Brachetto d'Acqui D.O.C.G., das auch für sein Fest des Risotto bekannt ist, dessen Rezept streng geheim gehalten wird. Vom Hauptplatz mit den beiden Kirchen, wo wir unseren Wagen lassen, erreichen wir den Bereich der Ruinen des Schlosses der Del Carretto, der von der Gemeinde in einen angenehmen grünen Platz umgewandelt wurde, oder aber wählen einen der einfachen Wege des Brachetto zu Fuß oder mit dem Fahrrad.
Von Sessame führt eine schöne Straße auf den Hügeln nach Rocchetta Palafea, eventuell mit einem Halt auf dem Picknick-Platz der Kirche von San Sebastiano. Die Festung war im Mittelalter ein wichtiger strategischer Punkt mit imposanten Verteidigungsbauten, von denen der hohe Turm aus Stein am höchsten Punkt bleibt, mit einer ähnlichen Struktur wie die anderen Türme der Langa, aber mit Bogendekorationen aus Backstein anstatt aus Stein. Nur wenig entfernt von der barocken Pfarrkirche von Sant'Evasio befindet sich das unvermeidliche Oratorium der Disciplinati.
Wir fahren weiter nach Montabone : das historische Zentrum ist eines der besterhaltenen des Alto Monferrato; mit großer Sorgfalt wurde in den letzten Jahren ein großer Teil der alten Wohnhäuser aus Stein und der schönsten Winkel des Dorfes renoviert, längs der steilen Hauptstraße, die vom Stadttor aus dem 14. Jahrhundert zur Pfarrkirche und zum Platz führt, an dem das Schloss stand. An dieser Straße begegnen wir der Pfarrkirche von Sant' Antonio, die einige Gemälde des manieristischen Malers Guglielmo Caccia, genannt Il Moncalvo enthält (Moncalvo ist die Stadt, in der er lebte), der 1568 in Montabone auf einem Bauernhof nicht weit vom Dorf entfernt geboren wurde.
Von Montabone fährt man in Richtung Nizza Monferrato oder Canelli nach Asti zurück.
In Richtung Nizza Monferrato empfehlen wir noch einen Halt in den beiden letzen Orten der Langa Astigiana an der Grenze zum Südlichen Monferrato. Castel Boglione ist ein kleines Dorf mit der grandiosen Kirche im eklektischen Stil, sowie den riesigen Gebäuden der Genossenschaftskellerei, die vor circa fünfzig Jahren vom Dorfpfarrer gegründet wurde. An der Kreuzung mit der Staatsstraße 456 machen wir auf dem Weg nach Acqui Terme einen letzten Halt in Castel Rocchero, das uns ein endloses Panorama auf die herrlichen Weinberge bietet, mit den Alpen und dem ligurischen Apennin im Hintergrund. Das Profil des Dorfes wird vom hohen Kirchturm mit der Spitze geprägt, unter dem sich der Zugang zum Dorf öffnet, welches früher vom Schloss dominiert wurde, wo heute das elegante Gemeindehaus steht.